Der Römerkeller in Dormagen:
Historische Bedeutung, Archäologische Funde, Bauliche Merkmale und Gegenwärtige Nutzung im Kontext des römischen Durnomagus
Der Römerkeller in Dormagen stellt ein einzigartiges archäologisches und kulturhistorisches Zeugnis der römischen Präsenz am Niederrhein dar. Seine Entdeckung im Jahr 1979 und die anschließende museale Erschließung haben nicht nur das Verständnis des römischen Alltagslebens in der Region vertieft, sondern auch die Bedeutung Dormagens als Teil des Niedergermanischen Limes, der seit 2021 UNESCO-Welterbe ist, unterstrichen. Der vorliegende Bericht beleuchtet die historische Einbettung des Römerkellers in die Geschichte des Kastells Durnomagus, analysiert die archäologischen Funde und baulichen Merkmale, diskutiert die Datierung und Chronologie der Befunde und stellt die heutige Nutzung sowie die museale Präsentation dar. Dabei werden aktuelle Forschungsergebnisse, kommunale und museale Quellen sowie die neuesten Entwicklungen im Bereich der Denkmalpflege und der Vermittlung römischer Geschichte berücksichtigt.
Die Region um das heutige Dormagen war bereits in vorrömischer Zeit von keltischen und germanischen Siedlungen geprägt. Mit der Expansion des Römischen Reiches wurde der Rhein zur Außengrenze des Imperiums und der sogenannte Niedergermanische Limes entstand als militärisch gesicherte Grenze. Im Zuge der Sicherung dieser Grenze wurde um 80 n. Chr. das Reiterkastell Durnomagus gegründet. Die strategische Lage auf einer hochwassergeschützten Anhöhe oberhalb der Rheinterrasse bot sowohl Schutz vor Überschwemmungen als auch vor Angriffen aus der Rheinaue.
Das Kastell Durnomagus war Teil einer Kette von etwa 50 Kastellen und Legionslagern, die sich entlang des linken Rheinufers von Remagen bis zur niederländischen Nordseeküste erstreckten. Diese Befestigungen bildeten das Rückgrat der römischen Kontrolle über die Provinz Germania inferior und dienten der Überwachung und Sicherung der Grenze gegen germanische Stämme.
Im Kastell Durnomagus war eine sogenannte Ala, eine Reitereinheit von etwa 480 Mann, stationiert. Die Ala I Noricorum ist durch Inschriften und Weihesteine für das 2. Jahrhundert n. Chr. belegt. Die Soldaten dieser Einheit waren als schnelle Eingreiftruppe für die Überwachung der Rheingrenze zwischen Neuss und Köln verantwortlich. Das Kastell selbst erstreckte sich über eine Fläche von etwa drei Hektar und war zunächst in Holz-Erde-Bauweise, später in Steinbauweise, errichtet. Besonders bemerkenswert ist die archäologisch nachgewiesene Unterbringung von Mensch und Pferd unter einem Dach, was auf eine enge Verbindung zwischen Soldaten und ihren Tieren hinweist.
Um das Kastell entwickelte sich ein Lagerdorf (Vicus), in dem sich Familien der Soldaten, Händler, Handwerker und Dienstleister niederließen. Dieses zivile Umfeld war für die Versorgung des Kastells und das wirtschaftliche Leben von zentraler Bedeutung. Die Gräberfelder lagen, wie nach römischem Recht vorgeschrieben, außerhalb des Siedlungsbereichs entlang der Ausfallstraßen.
Der Römerkeller befindet sich im Bereich des ehemaligen Lagerdorfs, unmittelbar neben der Kirche St. Michael. Seine Entdeckung im Jahr 1979 war ein bedeutender archäologischer Glücksfall, da er einen außergewöhnlich gut erhaltenen Erdkeller aus der römischen Zeit repräsentiert. Der Keller und die umgebenden Funde bieten einen einzigartigen Einblick in das Alltagsleben der Bewohner von Durnomagus und ergänzen das Bild, das durch die militärischen und zivilen Strukturen des Kastells gezeichnet wird.
Die Entdeckung des Römerkellers erfolgte im Frühjahr 1979 während der Bauarbeiten für ein neues Pfarrheim neben der Kirche St. Michael. Bereits die ersten freigelegten Ziegellagen ließen auf eine römische Struktur schließen, woraufhin die Bauarbeiten gestoppt und eine archäologische Untersuchung eingeleitet wurde. Unter der Leitung des Archäologen Gustav Müller und mit Unterstützung zahlreicher Ehrenamtlicher wurde der Keller in mühevoller Handarbeit freigelegt und dokumentiert.
Die Grabungsgeschichte des Römerkellers ist eng mit dem Engagement des Geschichtsvereins Dormagen verbunden, der sich seit den 1970er Jahren für die Erforschung und den Erhalt römischer Bodendenkmäler in der Stadt einsetzt. Die Entdeckung des Kellers führte zur Gründung eines kleinen Römermuseums und zur dauerhaften Sicherung und musealen Präsentation des Fundes.
Im unmittelbaren Bereich und Umfeld des Römerkellers wurden zahlreiche Funde geborgen, die auf eine Nutzung in der römischen Epoche hinweisen. Die Funde lassen sich in verschiedene Kategorien einteilen:
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Die folgende Analyse erläutert die wichtigsten Fundgruppen und ihre Bedeutung:
Die im Römerkeller ausgestellte Terra Sigillata ist eine der wichtigsten Fundgruppen der römischen Archäologie. Diese rot glänzende Feinkeramik wurde im gesamten Römischen Reich produziert und gehandelt und ist aufgrund ihrer charakteristischen Formen und Stempel gut datierbar. Die im Römerkeller gefundenen Stücke stammen überwiegend aus süd- und mittelgallischen Werkstätten und datieren in das 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. Sie belegen nicht nur den Wohlstand der Bewohner, sondern auch die Integration Dormagens in das römische Handelsnetz.
Neben der Feinkeramik wurden zahlreiche Alltagskeramiken gefunden, darunter Vorratsgefäße, Kochtöpfe und Amphoren. Diese Funde geben Aufschluss über die Ernährungsgewohnheiten, die Vorratshaltung und die häusliche Organisation der Bewohner. Besonders bemerkenswert ist ein Tintenfass, das auf Schriftlichkeit und Verwaltungstätigkeiten im Lagerdorf hinweist.
Metallfunde wie Werkzeuge, Schmuck und insbesondere Münzen sind für die Datierung und die Rekonstruktion wirtschaftlicher Aktivitäten von großer Bedeutung. Der sogenannte Dormagener Denarfund, der zehn Denare aus der Zeit von Vespasian bis Mark Aurel umfasst, zeigt die lange Umlaufzeit römischer Münzen und gibt Hinweise auf Geldwirtschaft und Handel.
Im Römerkeller und seiner Umgebung wurden mehrere Weihesteine und Altäre gefunden, die den römischen Göttern geweiht waren. Besonders hervorzuheben sind Steine, die von Soldaten der Ala I Noricorum gestiftet wurden, sowie ein Altar für Apollon und Asklepios. Diese Funde belegen die religiöse Vielfalt und die Bedeutung des Kultes im Alltag der Bewohner.
Glasgefäße und Kleinfunde wie Fibeln, Spielsteine und Schmuckstücke ergänzen das Bild des alltäglichen Lebens und weisen auf Handelskontakte, modische Vorlieben und Freizeitbeschäftigungen hin.
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Die tabellarische Übersicht verdeutlicht die Vielfalt der im Römerkeller und seiner Umgebung geborgenen Funde. Sie spiegeln das breite Spektrum des Alltagslebens, der religiösen Praxis und der wirtschaftlichen Aktivitäten in Durnomagus wider. Besonders die Kombination aus hochwertigen Importgütern wie Terra Sigillata und lokalen Alltagsgegenständen erlaubt Rückschlüsse auf den Lebensstandard und die Integration der Region in das römische Reich.
Der Römerkeller von Dormagen ist ein typischer römischer Erdkeller, der als Vorratsraum diente. Er misst etwa 2,60 mal 2,40 Meter und ist in einem außergewöhnlich guten Erhaltungszustand. Erdkeller dieser Art wurden im römischen Hausbau häufig als unterirdische Lagerräume genutzt, um Lebensmittel und verderbliche Güter kühl und feucht zu lagern. Die Bauweise ermöglichte eine ganzjährige Temperaturstabilität zwischen drei und zehn Grad Celsius, was die Haltbarkeit der Vorräte erheblich verlängerte.
Der Römerkeller wurde aus Ziegeln und Steinen errichtet und war teilweise in das Erdreich eingetieft. Die Wände bestehen aus sorgfältig gesetzten Ziegelreihen, die eine hohe Stabilität und Langlebigkeit gewährleisten. Die Decke war ursprünglich als Tonnengewölbe ausgeführt und mit Erde überdeckt, um eine zusätzliche Isolierung zu erreichen. Der Zugang erfolgte vermutlich über eine Treppe oder einen schrägen Gang, der den Keller mit dem darüberliegenden Wohnhaus verband.
Die Bauweise des Kellers entspricht dem Typus des sogenannten Streifenhauses, einer in römischen Siedlungen weit verbreiteten Hausform. Streifenhäuser zeichneten sich durch eine schmale, langgestreckte Grundfläche aus und verfügten häufig über einen Kellerraum im hinteren Bereich, der als Vorratskeller genutzt wurde.
Vergleichbare Erdkeller wurden auch an anderen Fundorten am Niederrhein und im römischen Reich entdeckt. Sie weisen ähnliche bauliche Merkmale auf, unterscheiden sich jedoch in Größe, Ausstattung und Erhaltungszustand. Der Römerkeller von Dormagen ist aufgrund seiner guten Erhaltung und der reichen Fundausstattung ein herausragendes Beispiel für diese Bauform und bietet wichtige Vergleichsmöglichkeiten für die Forschung.
Nach der Freilegung wurde der Römerkeller sorgfältig konserviert und restauriert. Die Erhaltung des Originals war ein zentrales Anliegen der Denkmalpflege und des Geschichtsvereins Dormagen. Die Restaurierungsmaßnahmen umfassten die Stabilisierung der Mauern, die Rekonstruktion der Gewölbedecke und die Einrichtung eines musealen Zugangs. Die Maßnahmen wurden in enger Abstimmung mit dem Rheinischen Landesmuseum Bonn und der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Dormagen durchgeführt.
Die Datierung des Römerkellers und der zugehörigen Funde erfolgt auf Grundlage archäologischer, keramologischer und numismatischer Analysen. Die im Keller und seiner Umgebung gefundenen Keramiken, insbesondere die Terra Sigillata, lassen sich anhand von Herstellungsstempeln und Formtypen präzise in das 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. datieren. Die Münzfunde, darunter der Dormagener Denarfund, umfassen Prägungen von Vespasian (69–79 n. Chr.) bis Mark Aurel (161–180 n. Chr.) und bestätigen die Nutzung des Areals über einen längeren Zeitraum.
Der Römerkeller wurde vermutlich im Zusammenhang mit der Entwicklung des Lagerdorfs (Vicus) errichtet, das sich ab dem späten 1. Jahrhundert n. Chr. um das Kastell Durnomagus bildete. Die kontinuierliche Nutzung des Kellers bis in das 3. Jahrhundert n. Chr. wird durch die Funde und die stratigraphische Analyse der Schichten belegt. Spätere Störungen, insbesondere durch mittelalterliche Materialentnahme, sind nur in einem Teilbereich des Kellers nachweisbar, was die außergewöhnliche Erhaltung des Befundes erklärt.
Die Entwicklung des Römerkellers spiegelt die Geschichte des Kastells Durnomagus wider. Das Kastell wurde um 80 n. Chr. gegründet und bestand in verschiedenen Bauphasen bis zum Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. Die Blütezeit des Lagerdorfs und damit auch des Römerkellers fällt in das 2. Jahrhundert n. Chr., als die Ala I Noricorum in Durnomagus stationiert war und das zivile Leben florierte.
Seit dem 31. Juli 2021 ist der Niedergermanische Limes, zu dem auch das Kastell Durnomagus und der Römerkeller gehören, als UNESCO-Welterbe anerkannt. Der Limes erstreckte sich über rund 400 Kilometer von Remagen bis zur niederländischen Nordseeküste und bildete die Grenze zwischen dem römischen Reich und dem freien Germanien. Die militärischen Anlagen, Kastelle und Lagerdörfer entlang des Limes sind heute bedeutende Bodendenkmäler und Zeugnisse der römischen Grenzsicherung.
Die Aufnahme in die Liste des Welterbes unterstreicht die herausragende Bedeutung der Fundstellen für das Verständnis der römischen Geschichte und der kulturellen Entwicklung Europas. Der Römerkeller ist ein integraler Bestandteil dieses Erbes und trägt zur Vermittlung der römischen Vergangenheit bei.
Das Kastell Durnomagus war ein zentraler Stützpunkt am Niedergermanischen Limes und sicherte den Grenzabschnitt zwischen der Colonia Claudia Ara Agrippinensium (heute Köln) und der Colonia Ulpia Traiana (heute Xanten). Die Lage an der römischen Reichsstraße von Lugdunum Batavorum (Katwijk) nach Argentoratum (Straßburg) machte Durnomagus zu einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Die militärische Präsenz förderte die wirtschaftliche Entwicklung und den kulturellen Austausch mit den einheimischen keltischen und germanischen Bevölkerungsgruppen.
Der Römerkeller ist ein direktes Zeugnis des zivilen Lebens im Umfeld des Kastells. Während das Kastell selbst militärischen Zwecken diente, spiegeln der Keller und die zugehörigen Funde das Alltagsleben, die Versorgung und die religiösen Praktiken der zivilen Bevölkerung wider. Die enge Verbindung zwischen Militär und Zivilgesellschaft ist ein zentrales Merkmal der römischen Siedlungsstruktur am Limes.
Die wissenschaftliche Erforschung des römischen Dormagen reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Bereits 1821 wurden bei Bauarbeiten erste römische Funde gemacht, darunter Weihesteine für Mithras und ein Münzschatz. In der Folgezeit wurden zahlreiche Grabungen durchgeführt, die das Kastell, das Lagerdorf und die Gräberfelder erschlossen haben.
Die Entdeckung des Römerkellers 1979 markierte einen Meilenstein in der lokalen Archäologie. Die Grabungen wurden von Gustav Müller und dem Geschichtsverein Dormagen durchgeführt und führten zur Einrichtung eines kleinen Museums im Keller selbst.
In den letzten Jahren ist das Interesse an der römischen Vergangenheit Dormagens erneut gestiegen, nicht zuletzt durch die Anerkennung als UNESCO-Welterbe. Zu den wichtigsten aktuellen Publikationen zählen:
Norbert Grimbach: „Verloren und wiedergefunden. Archäologische Funde aus Dormagen am Limes von der frühen Eisenzeit bis zur Herrschaft der Franken“ (2024)
Jost Auler: „Dormagen in der Römerzeit“ (2021)
Michael Gechter: „Reiterkastell Durnomagus“ in: Die römische Reichsgrenze von der Mosel bis zur Nordseeküste (1995)
Gustav Müller: „Durnomagus. Das römische Dormagen“ (1979)
Diese Werke bieten umfassende Analysen der archäologischen Befunde, der historischen Entwicklung und der Bedeutung Dormagens im Kontext des Niedergermanischen Limes.
Neben der wissenschaftlichen Literatur spielen museale und kommunale Quellen eine zentrale Rolle bei der Vermittlung der römischen Geschichte Dormagens. Die Ausstellungen im Historischen Rathaus, im Römerkeller und im Römergarten präsentieren die wichtigsten Funde und Befunde anschaulich und zugänglich für ein breites Publikum.
Der Römerkeller wurde nach seiner Restaurierung als kleines Museum eingerichtet und ist heute ein zentraler Bestandteil der musealen Präsentation des römischen Welterbes in Dormagen. Die Ausstellung im Keller widmet sich dem Alltagsleben der Menschen im Lagerdorf, dem Wohnen und Arbeiten, der Religion und dem Kult sowie der Geschichte der ältesten Militärziegelei der Römer am Niederrhein.
Die Präsentation umfasst originale Fundstücke, Modelle, digitale Rekonstruktionen und didaktische Materialien. Besucher erhalten einen unmittelbaren Eindruck von der Bauweise und Funktion des Kellers sowie von den Lebensumständen der römischen Bewohner.
Das römische Welterbe in Dormagen wird an drei Standorten präsentiert:
Historisches Rathaus: Die Ausstellung „Reiter und Pferd“ thematisiert die Ausbildung und Ausstattung der Reitereinheit sowie die Baugeschichte des Kastells. Zahlreiche Originalfunde und digitale Medien veranschaulichen das militärische Leben.
Römergarten: Der Römergarten ist ein frei zugänglicher Erlebnisort mit Nachbildungen von Grab- und Weihesteinen, originalen Baumaterialien und einem kleinen Römer-Spielplatz. Er dient als historischer Lern- und Begegnungsort für die ganze Familie und fördert die Inklusion durch blindengerechte Tastmodelle.
Römerkeller: Der Römerkeller konzentriert sich auf das zivile Leben, die Religion und die Wirtschaft im Lagerdorf.
Regelmäßige Führungen durch das römische Welterbe, einschließlich des Römerkellers, werden von der Stadt Dormagen und dem Geschichtsverein angeboten. Die Vermittlung richtet sich an unterschiedliche Zielgruppen, von Schulklassen bis zu Fachbesuchern, und legt besonderen Wert auf Inklusion und Barrierefreiheit.
Die Erforschung, Erhaltung und Präsentation des Römerkellers sind das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit zwischen kommunalen Behörden, dem Geschichtsverein Dormagen und zahlreichen Ehrenamtlichen. Dieses bürgerschaftliche Engagement war und ist entscheidend für den Erfolg der archäologischen Arbeit und die nachhaltige Vermittlung des kulturellen Erbes.
Die Konservierung und Restaurierung des Römerkellers erfolgten unmittelbar nach der Entdeckung und wurden kontinuierlich fortgeführt. Ziel war es, das Bodendenkmal in seinem Originalzustand zu erhalten und zugleich für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Maßnahmen umfassten die Sicherung der Mauern, die Rekonstruktion der Gewölbedecke und die Einrichtung eines musealen Zugangs.
Der Bereich des Römerkellers und des Kastells Durnomagus ist als Bodendenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz des Landes Nordrhein-Westfalen geschützt. Nachforschungen und gezieltes Sammeln von Funden sind genehmigungspflichtig, Zufallsfunde müssen den Denkmalbehörden gemeldet werden. Die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben ist Voraussetzung für die nachhaltige Sicherung des kulturellen Erbes.
Die Erhaltung römischer Bodendenkmäler steht vor vielfältigen Herausforderungen, darunter die Gefährdung durch Bauprojekte, Erosion und Vandalismus. Die enge Zusammenarbeit zwischen Denkmalbehörden, Museen, Vereinen und der Öffentlichkeit ist daher unerlässlich. Die Anerkennung als UNESCO-Welterbe hat die Aufmerksamkeit für den Schutz und die Vermittlung des Römerkellers weiter erhöht und neue Impulse für die Forschung und die Öffentlichkeitsarbeit gegeben.
Erdkeller als Vorratsräume sind ein weit verbreitetes Phänomen im römischen Hausbau. Vergleichbare Keller wurden beispielsweise in Linz, Xanten und Köln entdeckt und weisen ähnliche bauliche Merkmale auf. Die Funktion als Lagerraum für Lebensmittel und verderbliche Güter ist durch archäologische Befunde und experimentelle Archäologie gut belegt.
Der Dormagener Denarfund ist ein Beispiel für römische Depotfunde, die häufig im Zusammenhang mit Krisenzeiten oder als Sparguthinterlassenschaften interpretiert werden. Vergleichbare Münzschätze wurden auch an anderen Standorten am Niederrhein gefunden und bieten wichtige Einblicke in die Geldwirtschaft und die Unsicherheiten der römischen Provinzbevölkerung.
Der Römerkeller von Dormagen zeichnet sich durch seine außergewöhnliche Erhaltung, die Vielfalt der Funde und die gelungene museale Präsentation aus. Im Vergleich zu anderen römischen Kellern bietet er ein besonders anschauliches Beispiel für die Verbindung von archäologischer Forschung, Denkmalpflege und öffentlicher Vermittlung.
Die Freilegung des Römerkellers erfolgte in den 1970er Jahren nach den damals neuesten archäologischen Standards. Die sorgfältige Handarbeit, die genaue Dokumentation der Befunde und die Einbindung von Ehrenamtlichen waren entscheidend für den Erfolg der Grabung. Die Funde wurden systematisch geborgen, inventarisiert und wissenschaftlich ausgewertet.
In den letzten Jahren haben digitale Methoden wie 3D-Scanning, Fotogrammetrie und digitale Rekonstruktionen Einzug in die archäologische Forschung gehalten. Diese Techniken ermöglichen eine präzise Dokumentation der Funde und Befunde und erleichtern die Vermittlung komplexer Sachverhalte an ein breites Publikum. Die Digitalisierung der Terra Sigillata-Funde ist ein Beispiel für die Anwendung moderner Technologien in der archäologischen Praxis.
Die Einbindung der Öffentlichkeit und die Beteiligung von Ehrenamtlichen sind ein Markenzeichen der archäologischen Arbeit in Dormagen. Der Geschichtsverein Dormagen hat maßgeblich zur Erforschung und Erhaltung des Römerkellers beigetragen und engagiert sich weiterhin in der Vermittlung der römischen Geschichte.
Die im Römerkeller und seiner Umgebung gefundenen Weihesteine und Altäre sind zentrale Zeugnisse der religiösen Praxis in Durnomagus. Besonders hervorzuheben sind die Mithras-Weihesteine, die von Soldaten der Ala I Noricorum gestiftet wurden, sowie ein Altar für Apollon und Asklepios. Diese Funde belegen die Vielfalt der Kulte und die Bedeutung der Religion im Alltag der römischen Bevölkerung.
Die Inschriften auf den Weihesteinen geben Aufschluss über die Stifter, ihre Herkunft und ihre religiösen Motive. Sie sind wichtige Quellen für die Identifikation der in Durnomagus stationierten Truppen und für die Rekonstruktion der sozialen und religiösen Strukturen im Lagerdorf.
Die religiösen Funde zeigen, dass in Durnomagus sowohl römische Staatskulte als auch orientalische und lokale Kulte gepflegt wurden. Die Integration verschiedener religiöser Traditionen ist ein charakteristisches Merkmal der römischen Provinzgesellschaft und spiegelt die kulturelle Vielfalt am Niederrhein wider.
Das Zusammenleben von Militär und Zivilbevölkerung prägte das soziale Gefüge von Durnomagus. Die Soldaten der Ala I Noricorum lebten mit ihren Familien, Handwerkern, Händlern und Dienstleistern im Lagerdorf. Diese enge Verbindung förderte den wirtschaftlichen Austausch und die soziale Integration.
Die Versorgung des Kastells und des Lagerdorfs erfolgte durch lokale Landwirtschaft, Handwerk und Handel. Die Funde von Vorratsgefäßen, Werkzeugen und Importwaren wie Terra Sigillata belegen die wirtschaftliche Vielfalt und die Integration in das römische Handelsnetz.
Der Römerkeller bietet einen unmittelbaren Einblick in das Alltagsleben der Bewohner. Die Nutzung als Vorratsraum, die Funde von Haushaltsgegenständen und die baulichen Strukturen des Streifenhauses illustrieren die Wohn- und Arbeitsverhältnisse im römischen Lagerdorf.
Der Geschichtsverein Dormagen spielt seit seiner Gründung eine zentrale Rolle bei der Erforschung, Erhaltung und Vermittlung der römischen Geschichte der Stadt. Die Entdeckung und museale Erschließung des Römerkellers sind maßgeblich dem Engagement des Vereins und seiner Mitglieder zu verdanken.
Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Geschichtsverein, der Stadt Dormagen, der Unteren Denkmalbehörde und dem Rheinischen Landesmuseum Bonn hat die nachhaltige Sicherung und Präsentation des Römerkellers ermöglicht. Diese Kooperation ist ein Modell für die erfolgreiche Verbindung von bürgerschaftlichem Engagement und professioneller Denkmalpflege.
Durch Führungen, Ausstellungen, Publikationen und Veranstaltungen trägt der Geschichtsverein maßgeblich zur Vermittlung der römischen Geschichte Dormagens bei. Die Einbindung von Schulen, Familien und interessierten Bürgern fördert das Bewusstsein für das kulturelle Erbe und stärkt die Identifikation mit der lokalen Geschichte.
Die aktuelle Forschung zum Römerkeller und zum römischen Dormagen ist geprägt von interdisziplinären Ansätzen, die Archäologie, Geschichte, Naturwissenschaften und digitale Technologien verbinden. Die Digitalisierung von Funden und Befunden ermöglicht neue Formen der Dokumentation, Analyse und Vermittlung.
Die museale Präsentation des Römerkellers und der anderen Ausstellungsorte legt besonderen Wert auf Inklusion und Barrierefreiheit. Tastmodelle, digitale Medien und didaktische Materialien machen das römische Erbe für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich.
Die Anerkennung des Niedergermanischen Limes als UNESCO-Welterbe hat die internationale Aufmerksamkeit für die römischen Fundstellen am Niederrhein erhöht. Der Römerkeller ist ein integraler Bestandteil dieses Welterbes und trägt zur Vermittlung der europäischen Geschichte und Identität bei.
Die Erforschung des Römerkellers und des römischen Dormagen stützt sich auf eine Vielzahl von Quellen, darunter archäologische Befunde, Funde, Inschriften, antike Schriftquellen und moderne Forschungsliteratur. Die kritische Bewertung der Quellen ist unerlässlich, um Fehldeutungen zu vermeiden und die Ergebnisse nachvollziehbar zu machen.
Für die Zitierung wurden die aktuellen Standards der Geschichtswissenschaft beachtet. Archäologische Funde und Inschriften werden nach den einschlägigen Katalogen und Datenbanken zitiert, wissenschaftliche Literatur nach den Vorgaben für Monographien, Aufsätze und Sammelbände. Internetquellen und museale Materialien sind mit vollständigen Angaben versehen.
Der Römerkeller in Dormagen ist ein herausragendes Zeugnis der römischen Geschichte am Niederrhein. Seine Entdeckung, Erforschung und museale Präsentation haben das Verständnis des Alltagslebens, der Wirtschaft, der Religion und der sozialen Strukturen im römischen Durnomagus wesentlich erweitert. Die enge Verbindung zwischen Militär und Zivilgesellschaft, die Vielfalt der Funde und die gelungene Integration in das UNESCO-Welterbe machen den Römerkeller zu einem zentralen Ort der Vermittlung römischer Geschichte in Deutschland.
Die nachhaltige Sicherung und Vermittlung des Römerkellers sind das Ergebnis einer erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Denkmalpflege, kommunalen Behörden und bürgerschaftlichem Engagement. Die aktuellen Forschungstrends, die Digitalisierung und die internationale Anerkennung als Welterbe bieten neue Chancen für die Erforschung und Präsentation dieses einzigartigen Bodendenkmals.