Am 27. Juli 2026 jährt sich die Aufnahme des Niedergermanischen Limes in die UNESCO-Welterbeliste zum fünften Mal.
Dieses Jubiläum bietet nicht nur Anlass zur Rückschau auf die bewegte Geschichte einer der bedeutendsten römischen Grenzlinien, sondern auch zur Standortbestimmung der Vermittlungsarbeit, der Forschung und der gesellschaftlichen Wirkung des Welterbestatus. Besonders Dormagen, das antike Durnomagus, steht dabei als exemplarischer Fundort im Fokus:
Hier treffen archäologische Substanz, museale Präsentation, Bildungsinitiativen und bürgerschaftliches Engagement in einzigartiger Weise aufeinander.
Die folgende Darstellung beleuchtet die historischen Grundlagen, die Entwicklung seit der Welterbeanerkennung 2021 und die aktuellen Vermittlungsstrategien und Veranstaltungen im Jubiläumsjahr 2026 – stets mit besonderem Blick auf Dormagen und seine Rolle im Netzwerk des Niedergermanischen Limes.
Der Niedergermanische Limes bezeichnet die ehemalige Außengrenze der römischen Provinz Germania inferior entlang des Rheins. Mit einer Länge von etwa 400 Kilometern erstreckt er sich von Remagen in Rheinland-Pfalz bis zur Nordseeküste bei Katwijk in den Niederlanden.
Anders als der obergermanisch-raetische Limes, der durch Wall-Graben-Anlagen und Palisaden geprägt ist, handelt es sich beim Niedergermanischen Limes um eine sogenannte „nasse Grenze“: Der Rhein selbst bildete das natürliche Annäherungshindernis, flankiert von einer Kette von Kastellen, Legionslagern, Wachtürmen und Zivilsiedlungen.
Die Entwicklung dieser Grenzlinie begann bereits unter Augustus (27 v. Chr.–14 n. Chr.), als die Römer nach den Germanienfeldzügen auf eine dauerhafte Sicherung des Rheinufers setzten. Die endgültige Konsolidierung erfolgte nach dem Scheitern der rechtsrheinischen Expansion (Varusschlacht 9 n. Chr.) und wurde im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. durch den Ausbau von Militäranlagen und Infrastruktur weiter verstärkt.
Der Limes war dabei keine starre Barriere, sondern ein komplexes Kontrollsystem, das militärische, wirtschaftliche und kulturelle Funktionen miteinander verband. Die Kastelle lagen maximal einen Tagesmarsch voneinander entfernt und waren durch Straßen und Wasserwege verbunden. Die Grenztruppen bestanden überwiegend aus Hilfstruppen (Auxilia), während die Legionen als Reserve in großen Festungen wie Bonn, Xanten oder Nijmegen stationiert waren.
Am 27. Juli 2021 wurde der Niedergermanische Limes als transnationale, serielle Welterbestätte in die UNESCO-Liste aufgenommen. Die Anerkennung erfolgte auf Grundlage der Kriterien (ii), (iii) und (iv) der Welterbekonvention:
Kriterium (ii): Der Niedergermanische Limes verdeutlicht die Einführung eines komplexen Grenzsystems im nordwestlichen Teil des Römischen Reiches, das militärische und zivile Strukturen miteinander verband und den Austausch von Menschen, Technologien und Gütern regelte.
Kriterium (iii): Als Teil des Verteidigungssystems des Römischen Reiches stellt der Limes ein außergewöhnliches Zeugnis der Machtausdehnung und der Anpassungsfähigkeit an die Flusslandschaft dar.
Kriterium (iv): Der Limes demonstriert die strategischen, militärischen und wasserwirtschaftlichen Fähigkeiten der Römer und dokumentiert die Entwicklung der Verteidigungsarchitektur und der zivilen Siedlungen über mehrere Jahrhunderte.
Die Welterbestätte umfasst 44 ausgewählte Fundplätze in Deutschland und den Niederlanden, darunter Dormagen, und wird von einer internationalen Managementgruppe betreut.
In Nordrhein-Westfalen übernimmt das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege die Rolle des Welterbebeauftragten. Die UNESCO fordert nicht nur den Schutz und die Erhaltung der Stätten, sondern auch deren Vermittlung an die Öffentlichkeit und die Entwicklung nachhaltiger Tourismus- und Bildungsangebote.
Die römische Präsenz am Niederrhein begann mit den Feldzügen Caesars und wurde unter Augustus und seinen Nachfolgern durch den Ausbau von Militärlagern und Infrastruktur gefestigt. Nach dem Verzicht auf eine dauerhafte Expansion nach Osten wurde der Rhein zur festen Grenze des Imperiums.
Die Römer errichteten eine Kette von Kastellen, die durch Straßen und Wasserwege verbunden waren. Die Topographie des Rheintals bot strategische Vorteile, etwa durch hochwassergeschützte Terrassen und weite Sichtachsen
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Im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. erlebte die Region eine Phase relativer Stabilität und wirtschaftlicher Blüte. Die Kastelle wurden ausgebaut, Zivilsiedlungen (vici) und Landgüter (villae rusticae) entstanden.
Der Limes war keine undurchlässige Grenze, sondern ein Raum des Austauschs: Händler, Handwerker, Soldaten und ihre Familien prägten das Leben entlang des Rheins. Die Integration einheimischer Bevölkerung und die Verbreitung römischer Kultur und Religion sind durch zahlreiche Funde und Inschriften belegt.
Im 3. Jahrhundert führten Germaneneinfälle und innere Krisen zu mehrfachen Zerstörungen und Umstrukturierungen der Grenzanlagen. Kastelle wurden verkleinert oder durch sogenannte Reduktionskastelle ersetzt. Die militärische Präsenz blieb bis ins späte 4. Jahrhundert erhalten, bevor die römische Herrschaft am Niederrhein endgültig endete und das Gebiet von den Franken übernommen wurde.
Die Erforschung des Niedergermanischen Limes erfolgt seit dem 19. Jahrhundert durch archäologische Grabungen, Prospektionen und die Auswertung von Zufallsfunden. Moderne Methoden wie Geomagnetik, Luftbildarchäologie und 3D-Scanning ermöglichen heute zerstörungsfreie Untersuchungen und die Rekonstruktion von Bauphasen und Siedlungsstrukturen.
Ein Großteil der römischen Überreste liegt unter der Erde und ist durch spätere Bebauung oder landwirtschaftliche Nutzung gut geschützt. Die Erhaltung organischer Materialien wie Holz, Leder oder Textilien ist am Niederrhein aufgrund der feuchten Bodenverhältnisse außergewöhnlich gut, was einzigartige Einblicke in das Alltagsleben ermöglicht.
Die Erforschung des Limes ist heute ein interdisziplinäres Unterfangen, das Archäologie, Geschichtswissenschaft, Epigraphik, Naturwissenschaften und Digital Humanities verbindet. Internationale Kooperationen, etwa zwischen dem LVR, der GDKE Rheinland-Pfalz, niederländischen Universitäten und der Deutschen Limeskommission, sichern den Austausch von Daten, Methoden und Vermittlungskonzepten
Dormagen, das antike Durnomagus, war ein bedeutendes Reiterkastell (Alenkastell) am Niedergermanischen Limes. Es lag auf einer hochwassergeschützten Anhöhe unmittelbar oberhalb der Rheinterrasse und sicherte den Grenzabschnitt zwischen Köln (Colonia Claudia Ara Agrippinensium) und Xanten (Colonia Ulpia Traiana). Die Lage an der römischen Reichsstraße und die Nähe zu anderen Kastellen wie Novaesium (Neuss) und Burungum (Haus Bürgel) machten Durnomagus zu einem Schlüsselpunkt der Grenzsicherung und der Kommunikation.
Das Kastell wird im spätantiken Itinerarium Antonini als Standort einer Ala (Reitereinheit) explizit genannt. Die Distanzen zu den Nachbarstandorten waren so gewählt, dass eine schnelle gegenseitige Unterstützung möglich war – ein Tagesmarsch trennte Dormagen von Köln und Neuss.
Die Gründung des Kastells erfolgte um 80 n. Chr. zunächst in Holz-Erde-Bauweise. Es war für eine Kavallerieeinheit (Ala quingenaria) mit etwa 480 Reitern konzipiert und umfasste etwa 2,7 bis 3,3 Hektar.
In der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts wurde das Lager durch ein Steinkastell ersetzt, mit einer rund einen Meter breiten Mauer aus Basaltbruchsteinen und Tuffquadern, Türmen an Ecken und Toren sowie einer ausgefeilten Innenstruktur aus Baracken, Stallungen, Werkstätten und Stabsgebäuden. Nach mehreren Brandzerstörungen und Wiederaufbauten wurde im 4. Jahrhundert ein Reduktionskastell errichtet, das bis ins 5. Jahrhundert genutzt wurde.
Die Hauptgarnison von Durnomagus war die Ala I Noricorum civium Romanorum, eine Kavallerieeinheit, die ursprünglich aus dem keltischen Volk der Noriker rekrutiert wurde. Im Laufe der Zeit wurde die Einheit zunehmend durch gallisch-germanische und thrakische Reiter ergänzt. Die Soldaten stammten aus unterschiedlichsten Regionen des Imperiums, was die ethnische Vielfalt und die Integrationskraft des römischen Heeres am Limes eindrucksvoll belegt.
Die Ausrüstung der Reiter entsprach der Legionärsbewaffnung, war aber an die Anforderungen des Reitens angepasst. Besonders bemerkenswert ist die enge Verbindung von Pferdeställen und Mannschaftsunterkünften, wie sie für Reiterkastelle typisch ist. Die Pferde waren kleiner als heutige Reitpferde und wurden mit dem charakteristischen Hörnchensattel geritten.
Ein herausragender Fund ist das Mithräum von Dormagen, ein unterirdischer Kultraum, in dem mehrere dem Gott Mithras geweihte Steine entdeckt wurden. Zwei der Weihesteine wurden von Soldaten der Ala I Noricorum gestiftet und belegen die starke Verbreitung des Mithraskults unter den Reitersoldaten. Daneben sind auch Altäre für Apollon und Asklepios sowie Weihesteine für Nymphen und Matronen belegt, was auf eine Verschmelzung römischer und einheimischer religiöser Traditionen hinweist.
Um das Kastell entwickelte sich ein halbkreisförmiger Vicus (Lagerdorf), in dem Familien der Soldaten, Händler, Handwerker und Dienstleister lebten. Die Integration einheimischer Bevölkerung und die Romanisierung der Region sind durch Grabsteine, Inschriften und Grabbeigaben gut dokumentiert. Die Gräberfelder lagen außerhalb des Siedlungsbereichs entlang der Ausfallstraßen und geben Einblick in die soziale Struktur und den Wohlstand der Bewohner.
Dormagen zählt zu den am besten erforschten Standorten am Niedergermanischen Limes. Zu den herausragenden Funden gehören:
Mithräum mit Weihesteinen: Zwei Steine von Soldaten der Ala I Noricorum, die die Stationierung der Einheit belegen.
Münzschatz von 1839: 900 Silbermünzen und vier Goldmünzen von Augustus bis Commodus.
Dormagener Denarfund: Zehn Denare von Vespasian bis Mark Aurel, die die lange Umlaufzeit flavischer Prägungen belegen.
Altar für Apollon und Asklepios: Kalksteinfragment aus dem 2./3. Jahrhundert, heute im Rheinischen Landesmuseum Bonn.
Römische Zierscheibe aus Bronze: Teil eines Pferdegeschirrs, kunstvoll gestaltet und heute Emblem des Geschichtsvereins Dormagen.
Ziegelstempel der Legio XXII Primigenia pia fidelis: Belegen die Beteiligung der Legion am Bau des Kastells und der Infrastruktur.
Militärziegelei: Fünf Brennöfen und ein Trockenschuppen, die eine beeindruckende Produktionspalette aufweisen.
Viele dieser Funde sind heute im Rheinischen Landesmuseum Bonn, im Historischen Museum Düsseldorf und im Historischen Rathaus Dormagen ausgestellt. Der „Römerkeller“ in Dormagen ist ein restaurierter Originalbefund und kann nach Absprache besichtigt werden. Die museale Präsentation trägt wesentlich zur Vermittlung der römischen Geschichte Dormagens bei und macht die Ergebnisse der archäologischen Forschung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.
Im Historischen Rathaus Dormagen befindet sich seit 2022 eine neue Dauerausstellung zum römischen Welterbe. Die Ausstellung gliedert sich in zwei Bereiche:
Erdgeschoss: Präsentation der archäologischen Funde, Modelle des Kastells, Reiterausrüstung und Alltagsgegenstände.
Obergeschoss: Thematisierung des Lebens der Soldaten, der Verbindung von Reiter und Pferd sowie der militärischen und zivilen Infrastruktur.
Die Ausstellung ist barrierefrei zugänglich und wird durch Infotafeln, Tastmodelle und digitale Angebote ergänzt. Besonders hervorzuheben ist der Nachbau eines römischen Laufgangs (Portikus) im benachbarten Römergarten, der als Lern- und Begegnungsort dient.
Der Römerkeller ist ein restaurierter Vorratskeller eines römischen Streifenhauses und bietet eine authentische Atmosphäre für die Vermittlung des Alltagslebens im Vicus. Die Ausstellung thematisiert Wohnen, Arbeiten, Religion, Kult und Bestattungsformen sowie die Geschichte der römischen Militärziegelei auf dem Gelände des heutigen Freibads „Römertherme“. Der Römerkeller ist nicht barrierefrei, kann aber im Rahmen von Führungen besichtigt werden.
Das Kreismuseum Zons, wenige Kilometer von Dormagen entfernt, präsentiert regelmäßig Sonderausstellungen zur römischen Geschichte am Niederrhein. Im Jubiläumsjahr 2026 sind thematische Schwerpunkte und Kooperationen mit dem Geschichtsverein Dormagen und dem LVR geplant, um die Bedeutung des Niedergermanischen Limes für die Region zu vermitteln.
Dormagen bietet ein breites Spektrum an Bildungs- und Vermittlungsangeboten, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richten:
Regelmäßige Römerführungen: Mindestens einmal monatlich werden kostenfreie Führungen durch die Ausstellung im Historischen Rathaus und den Römerkeller angeboten. Die Führungen thematisieren die Ausrüstung und Ausbildung von Reiter und Pferd, das Alltagsleben im Kastell und das Leben der Zivilbevölkerung im Vicus.
Familienführungen: Speziell für Kinder und Familien werden altersgerechte Rundgänge angeboten, bei denen spielerisch Wissen vermittelt wird. Ferienaktionen wie Töpfern nach antiken Vorbildern oder Zeitreisen in die Römerzeit erfreuen sich großer Beliebtheit.
Mitmachformate und Workshops: Interessierte können selbst forschen, dokumentieren oder bei Ausstellungen mitwirken. Der Geschichtsverein Dormagen bietet Exkursionen zu geschichtsträchtigen Orten und Mitmachprojekte für alle Altersgruppen an.
Die Vermittlung der römischen Geschichte erfolgt zunehmend auch digital: Interaktive Karten, 3D-Modelle und Online-Führungen ermöglichen einen niederschwelligen Zugang zu den Inhalten. Im Römergarten wurden blindengerechte Tastmodelle errichtet, um Inklusion zu fördern. Die Stadt Dormagen und der Geschichtsverein arbeiten kontinuierlich an der Weiterentwicklung der digitalen und barrierefreien Angebote.
Das Jubiläumsjahr 2026 steht in Dormagen ganz im Zeichen des römischen Erbes. Ein besonderer Akzent liegt Ende September auf dem römischen Erbe der Stadt: Rund um das Historische Rathaus, an dem einst das Reiterkastell Durnomagus stand, werden fünf Jahre UNESCO-Welterbe „Niedergermanischer Limes“ gefeiert.
Das Jubiläum findet sich in zahlreichen Veranstaltungen wieder – unter anderem beim Michaelismarkt, dem größten Stadtfest der Innenstadt, bei den monatlichen Römerführungen des Geschichtsvereins oder beim Tag des offenen Denkmals im Römerkeller.
Die Veranstaltungen werden von der Stadtmarketing- und Wirtschafts-förderungsgesellschaft Dormagen (SWD), dem Geschichtsverein Dormagen, der Unteren Denkmalbehörde und weiteren Partnern organisiert. Sie richten sich an ein breites Publikum und verbinden wissenschaftliche Fundierung mit anschaulicher Vermittlung und Mitmachangeboten.
Dormagen ist Teil eines dichten Netzwerks von Limes-Kommunen, Museen und Forschungseinrichtungen. Die Veranstaltungen im Jubiläumsjahr werden in enger Abstimmung mit dem LVR, der GDKE Rheinland-Pfalz, Universitäten und Partnern in den Niederlanden geplant und durchgeführt. Überregionale Highlights wie das Limesfest im Archäologischen Park Xanten oder der UNESCO-Welterbetag auf Haus Bürgel bieten zusätzliche Anknüpfungspunkte für Besucher aus dem In- und Ausland.
Die Erforschung, Vermittlung und der Schutz des Niedergermanischen Limes sind nur im Rahmen regionaler und internationaler Kooperationen möglich. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) koordiniert die Aktivitäten in Nordrhein-Westfalen und arbeitet eng mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE), niederländischen Universitäten (z. B. Radboud University Nijmegen) und der Deutschen Limeskommission zusammen. Gemeinsame Projekte, Tagungen und Publikationen sichern den Austausch von Wissen und die Entwicklung innovativer Vermittlungsstrategien.
Die Museen entlang des Limes sind in der Arbeitsgemeinschaft „Römische Museen am Limes“ vernetzt. Ziel ist es, die Vermittlungsarbeit zu fördern, zu verbessern und zu koordinieren. Gemeinsame Interpretation Frameworks und Managementpläne sorgen für einen hohen Qualitätsstandard und eine abgestimmte Präsentation des Welterbes.
Die Anerkennung als UNESCO-Welterbe hat die Forschung am Niedergermanischen Limes erheblich befördert. Neue Grabungen, Prospektionen und Publikationen haben das Wissen über die römische Grenzregion vertieft. Die museale Präsentation wurde modernisiert, digitale Angebote ausgebaut und die Vermittlung an unterschiedliche Zielgruppen intensiviert.
Mit dem Welterbestatus sind erhöhte Anforderungen an den Schutz und die Pflege der Bodendenkmäler verbunden. Das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege überwacht alle Aktivitäten entlang des Welterbes und sorgt für ein einheitliches Auftreten. Die Kommunen und Kreise haben sich in einer Kooperationsvereinbarung verpflichtet, das Welterbe gemeinsam zu schützen und zu vermitteln. Info-Tafeln, markierte Rad- und Wanderwege sowie digitale Programme machen das Welterbe sichtbar und erlebbar.
Der Welterbestatus hat die Bekanntheit des Niedergermanischen Limes und seiner Fundorte erheblich gesteigert. In Dormagen ist ein wachsendes Interesse an Führungen, Ausstellungen und Veranstaltungen zu verzeichnen. Der Tourismus profitiert von der überregionalen Vermarktung, der Einbindung in Rad- und Wanderwege und der Zusammenarbeit mit benachbarten Limes-Kommunen. Gleichzeitig hat sich das Bewusstsein für das kulturelle Erbe in der Bevölkerung gestärkt, was sich in bürgerschaftlichem Engagement und neuen Initiativen widerspiegelt.
Die Erforschung des Niedergermanischen Limes und von Durnomagus ist ein dynamisches Feld, das von Archäologen, Historikern und Epigraphikern gleichermaßen bearbeitet wird. Zu den wichtigsten aktuellen Arbeiten zählen:
Martina Baumgärtner, Erich Claßen, Martin Müller, Thomas Otten (Hrsg.): UNESCO-Welterbe Niedergermanischer Limes. Präsentation, Vermittlung und Tourismus (2025) – Überblick über Vermittlungsstrategien und touristische Entwicklung.
Jürgen Kunow, Jens Wegmann: Das UNESCO-Welterbe Niedergermanischer Limes. Seine Geschichte und seine Monumente (2024) – Kompakte Darstellung der Geschichte und Struktur des Limes mit praktischen Hinweisen für Besucher.
Gustav Müller: Durnomagus. Das römische Dormagen (1979) – Standardwerk zur Geschichte und Archäologie Dormagens..
Jost Auler, Michael Gechter, Marcus Junkelmann: Studien zur Geschichte der Ala I Noricorum, zur Entwicklung des Limes und zur römischen Reiterei.
Aktuelle Forschungstrends umfassen die Digitalisierung der Funddokumentation, die Entwicklung von 3D-Rekonstruktionen, die Einbindung von Citizen Science und die stärkere Vernetzung von Forschung, Vermittlung und Tourismus.
Die Vermittlung des römischen Erbes erfolgt heute nicht mehr nur durch klassische Ausstellungen, sondern durch ein breites Spektrum an Formaten: Führungen, Mitmachaktionen, digitale Angebote, Tastmodelle und partizipative Projekte. Storytelling, also das Erzählen von Geschichten anhand konkreter Funde und Biografien, steht im Mittelpunkt der didaktischen Konzepte. Ziel ist es, die Komplexität der römischen Grenzgesellschaften anschaulich und emotional zugänglich zu machen.
Digitale Medien wie interaktive Karten, 3D-Modelle und Augmented Reality ermöglichen neue Zugänge zur Geschichte des Limes. Inklusion wird durch barrierefreie Angebote, Tastmodelle und spezielle Führungen für Menschen mit Behinderung gefördert. Die Vermittlung richtet sich an unterschiedliche Altersgruppen und Bildungshintergründe und setzt auf niederschwellige, partizipative Formate.
Dormagen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten von einer landwirtschaftlich geprägten Kleinstadt zu einem bedeutenden Industrie- und Produktionsstandort entwickelt. Die Anerkennung als UNESCO-Welterbe hat neue Impulse für den Tourismus und die Stadtentwicklung gesetzt. Die Zahl der Besucher in den Museen und bei Führungen ist gestiegen, und die Einbindung in regionale und überregionale Netzwerke stärkt die Position Dormagens als attraktives Ausflugsziel zwischen Köln und Düsseldorf.
Das römische Erbe ist zu einem wichtigen Bestandteil der lokalen Identität geworden. Bürgerschaftliches Engagement, etwa im Geschichtsverein Dormagen, und die Beteiligung an Vermittlungsprojekten und Veranstaltungen fördern das Gemeinschaftsgefühl und das Bewusstsein für die eigene Geschichte. Die Vermittlung des Welterbes trägt dazu bei, die Vielfalt und Offenheit der Stadtgesellschaft zu stärken und neue Zielgruppen zu erreichen.
Historisches Rathaus Dormagen: Zentrale Anlaufstelle für Ausstellungen und Führungen. Barrierefrei zugänglich, mit Infotafeln, Tastmodellen und digitalen Angeboten.
Römerkeller: Authentischer Einblick in das Alltagsleben im Vicus. Nicht barrierefrei, Besichtigung im Rahmen von Führungen.
Römergarten: Jederzeit zugänglicher Lern- und Begegnungsort mit Nachbau eines römischen Laufgangs, Grab- und Weihesteinen, Zeittafel und Spielplatz für Kinder.
Regelmäßige Römerführungen: Mindestens einmal monatlich, Anmeldung erforderlich (z. B. über Eventbrite oder www.swd-dormagen.de).
Familienführungen und Ferienaktionen: Speziell für Kinder und Familien, mit Mitmachangeboten und spielerischer Vermittlung.
Sonderveranstaltungen im Jubiläumsjahr: Römerfest im Rahmen des Michaelismarktes, Tag des offenen Denkmals, Limesfest im APX Xanten.
Digitale Führungen und interaktive Karten: Online-Angebote auf den Websites der Stadt Dormagen, des LVR und der Deutschen Limeskommission.
Radtouren auf den Spuren der Römer: Routenbeschreibungen und GPS-Tracks, z. B. auf www.roemerradwege.de oder ClickRhein.
Barrierefreie Vermittlung: Tastmodelle, inklusive Führungen und digitale Angebote für Menschen mit Behinderung.
Dormagen, das antike Durnomagus, ist ein herausragendes Beispiel für die Dynamik, Vielfalt und Widerstandsfähigkeit der römischen Grenzgesellschaften am Niedergermanischen Limes. Die Verbindung von militärischer Disziplin, religiöser Vielfalt, wirtschaftlicher Aktivität und kultureller Integration macht das Reiterkastell Dormagen zu einem lebendigen Zeugnis der römischen Geschichte am Rhein. Die Aufnahme des Niedergermanischen Limes in das UNESCO-Welterbe hat die Forschung, den Schutz und die Vermittlung des römischen Erbes erheblich befördert und neue Impulse für Tourismus, Stadtentwicklung und gesellschaftliches Engagement gesetzt.
Das Jubiläumsjahr 2026 bietet die Gelegenheit, die Erfolge der vergangenen fünf Jahre zu feiern, neue Vermittlungsformate zu erproben und die Bedeutung des Welterbes für Gegenwart und Zukunft zu reflektieren. Dormagen steht dabei exemplarisch für die gelungene Verbindung von wissenschaftlicher Fundierung, bürgerschaftlichem Engagement und anschaulicher Vermittlung – ein Modell für die nachhaltige Entwicklung von Welterbestätten in Europa und darüber hinaus.
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Datum |
Veranstaltung |
Ort |
Zielgruppe/ Besonderheiten |
|---|---|---|---|
|
20.02.2026 |
Kostenfreie Römerführung |
Historisches Rathaus |
Erwachsene, Jugendliche |
|
29.03.2026 |
Familienführung |
Historisches Rathaus/ Römerkeller |
Kinder, Familien |
|
13.09.2026 |
Aktionen im Römerkeller (Tag des offenen Denkmals) |
Römerkeller |
Breites Publikum, inkl. Mitmachaktionen |
|
27.09.2026 |
Römerfest im Rahmen des Michaelismarktes |
Innenstadt Dormagen |
Stadtgesellschaft, Gäste |
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14.06.2026 |
Limesfest im APX Xanten |
Archäologischer Park Xanten |
Überregional, Familien, Fachpublikum |
|
Monatlich |
Römerführungen |
Historisches Rathaus/ Römerkeller |
Verschiedene Themenschwerpunkte |
Die Tabelle zeigt die Vielfalt der Vermittlungsformate und die breite Zielgruppenansprache im Jubiläumsjahr. Die Veranstaltungen verbinden wissenschaftliche Fundierung mit anschaulicher, partizipativer Vermittlung und stärken die regionale und überregionale Vernetzung.
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Ort |
Schwerpunkte |
Besonderheiten |
|---|---|---|
|
Historisches Rathaus |
Dauerausstellung, Modelle, Reiterausrüstung |
Barrierefrei, digitale Angebote, Tastmodelle |
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Römerkeller |
Alltagsleben im Vicus, Militärziegelei |
Authentischer Originalbefund, nicht barrierefrei |
|
Römergarten |
Nachbau Portikus, Grab- und Weihesteine |
Jederzeit zugänglich, inklusiv, Spielplatz |
|
Kreismuseum Zons |
Sonderausstellungen, Kooperationen |
Überregionale Vernetzung, thematische Schwerpunkte |
Die museale Präsentation in Dormagen zeichnet sich durch ihre Vielfalt, Anschaulichkeit und Inklusion aus. Sie macht das römische Erbe für unterschiedliche Zielgruppen erlebbar und fördert das Bewusstsein für die Bedeutung des Welterbes.
Die nachhaltige Vermittlung des römischen Erbes am Niedergermanischen Limes bleibt eine zentrale Aufgabe für Forschung, Museen, Bildungseinrichtungen und die Stadtgesellschaft. Die Erfahrungen der vergangenen fünf Jahre zeigen, dass die Verbindung von wissenschaftlicher Fundierung, partizipativer Vermittlung und regionaler Vernetzung der Schlüssel zum Erfolg ist. Dormagen kann dabei als Modell für andere Welterbestätten dienen und Impulse für die Weiterentwicklung der Vermittlungsarbeit, die Integration digitaler Formate und die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements geben.
Das Jubiläumsjahr 2026 bietet die Chance, neue Zielgruppen zu erreichen, innovative Vermittlungsformate zu erproben und die Bedeutung des Welterbes für die europäische Identität und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu unterstreichen. Dormagen und der Niedergermanische Limes stehen damit beispielhaft für die lebendige Auseinandersetzung mit Geschichte, Kultur und Zukunft in einer offenen und vielfältigen Gesellschaft.